Bayerisches Staatsministerium für
Gesundheit und Pflege

Frage an den Patienten- und Pflegebeauftragten

Stromkostenübernahme der Krankenkasse für elektrisch betriebene Hilfsmittel

Herr F. Fragt:
Mein Vater ist nach einem Schlaganfall auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen, der ihm auch von der Krankenkasse genehmigt wurde. Der Rollstuhl hat einen Akkumulator und dieser muss regelmäßig aufgeladen werden. Die dadurch entstehenden zusätzlichen Stromkosten haben wir bisher selbst getragen. Jetzt habe ich gelesen, dass die Krankenkassen auch die Stromkosten für elektrisch betriebene Hilfsmittel übernehmen müssen. Ist das richtig und wie müssen wir vorgehen?
 

Der Patienten- und Pflegebeauftragte antwortet:
Ein elektrischer Rollstuhl zählt zu den sogenannten Hilfsmitteln. Hilfsmittel dienen dazu, den Erfolg einer Krankenhausbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder wie im Fall Ihres Vaters, eine Behinderung auszugleichen (§ 33 Abs. 1 SGB V). Neben der Versorgung mit dem Hilfsmittel im Bedarfsfall hat der Versicherte auch einen Anspruch auf:

  • Individuelle Anpassung
  • Mehrfache Ausstattung aus hygienischen Gründen (z.B. bei Kompressionsstrümpfen)
  • Lieferung von Zubehör
  • Übernahme der Betriebskosten (Stromkosten und Haftpflichtversicherung für Elektro- oder Straßenrollstühle).

Voraussetzung für die Kostenübernahme der Betriebskosten, zu denen auch die Stromkosten zählen, ist, dass es sich um ein vom Arzt verordnetes und von der Krankenkasse genehmigtes Hilfsmittel handelt. Wenn Versicherte Hilfsmittel ohne Verordnung, also auf eigene Rechnung anschaffen, sind die Krankenkassen nicht zur Übernahme der Betriebskosten verpflichtet.

Die Krankenkassen übernehmen die Betriebskosten auch nicht von sich aus. Vielmehr muss der Versicherte selbst tätig werden und die Übernahme der Betriebskosten beantragen. Ich empfehle Ihnen, sich dazu mit der Krankenkasse Ihres Vaters in Verbindung zu setzen, um dort die Vorgehensweise zu erfragen.


In jedem Fall ist eine Aufstellung der Stromkosten bei der Beantragung hilfreich. Die Aufstellung sollte enthalten:

  • Wieviel Watt benötigt das Gerät pro Stunde (die Angaben sind in der Regel in der Betriebs-anleitung nachzulesen)
  • Wie viele Tage im Jahr läuft das Gerät
  • Wie viel bezahlen Sie bei Ihrem Stromanbieter für ein Kilowatt Strom (das können Sie Ihrer Stromrechnung entnehmen, bzw. bei Ihrem Stromanbieter erfragen).

Die Kosten für den Stromverbrauch von elektrischen Hilfsmitteln können rückwirkend für vier Jahre geltend gemacht werden. Sollten mehrere verordnete elektrische Hilfsmittel in Betrieb sein, muss für jedes Gerät separat eine Kostenaufstellung erfolgen.

Sollte die Krankenkasse die Kostenübernahme ablehnen, können  Sie Widerspruch einlegen und sich auf ein Urteil des Bundessozialgerichtes aus dem Jahr 1997 (BSG, Az 3 RK 12/96) berufen.

Stand 01.06.2017

alle Fragen anzeigen