Bayerisches Staatsministerium für
Gesundheit und Pflege

Aktuelles aus der Gesundheitspolitik

08.09.2016

Pflegende Angehörige stehen im Mittelpunkt

Heute sind am Bayerischen Tag der pflegenden Angehörigen rund 250 Gäste der Einladung in den Landtag gefolgt. Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung Hermann Imhof MdL, hat zusammen mit der Landtagspräsidentin Barbara Stamm MdL das Engagement der pflegenden Angehörigen gewürdigt.

 

„Ohne den hervorragenden Beitrag pflegender Angehöriger ist das Pflegesystem heute nicht denkbar“ so Imhof. Ca. drei Viertel aller Pflegebedürftigen mit anerkannter Pflegestufe werden zu Hause versorgt. Dazu kommen viele gesundheitlich eingeschränkte Menschen, die im Alltag Unterstützung und Hilfe von Angehörigen erhalten, ohne Leistungen aus der Pflegeversicherung zu beziehen.

Imhof stellte fest: „Vereinbarkeit von Familie und Beruf – das Thema wird meist mit der Betreuung von Kindern verbunden. Doch Berufstätige, die sich um einen pflege- oder hilfsbedürftigen Angehörigen kümmern, müssen einen vergleichbaren Spagat leisten.“

 

„Wir wissen, dass die Angehörigenpflege in hohem Maße von Frauen geleistet wird. Sie befinden sich oft an der Grenze ihrer psychischen, körperlichen und finanziellen Belastbarkeit. Auch Kinder- und Jugendliche, die Angehörige pflegen, bemühen sich oft über ihre eigenen Kräfte hinaus, die Lücke, die die Pflegebedürftigkeit eines Familienmitglieds mit sich bringt, zu schließen. Daher ist es mir ein Anliegen, ihre besondere Leistung für unsere Gesellschaft zu würdigen“, sagte Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen hatte.

 

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler gab in ihrem Vortrag Hilfe und Orientierung: „Wenn man stets aufopferungsvoll pflegt ohne auf eigene Bedürfnisse zu achten, ist das nicht gesund. Man schadet sich und tut dem pflegebedürftigen Angehörigen damit nicht unbedingt einen Gefallen. Daher ist es eine gute Sache, Entlastungsangebote anzunehmen und damit mehr Zeit für sich zu nehmen.“

 

Zwar wurden in den letzten Jahren Unterstützungsangebote für Angehörige geschaffen. Doch nicht immer sind sie bekannt oder werden genutzt. „In Zukunft kommt es vor allem darauf an, individuelle, passgenaue und unbürokratische Beratungs-, Entlastungs- und Unterstützungsangebote flächendeckend anzubieten und weiter auszubauen“, so Imhof.

 

Imhof forderte nach einer lebhaften Diskussion mit den Betroffenen: „ Es ist notwendig, Entlastungsangebote besser bekannt zu machen und die regionale Verfügbarkeit zu verbessern. Die professionelle, unbürokratische und unabhängige Pflegeberatung vor Ort „aus einer Hand“ ist hier gefragt“ so Imhof. „Mit Modellvorhaben zur Beratung Pflegebedürftiger und ihrer Angehörigen durch kommunale Beratungsstellen, wie es das PSG III vorsieht, ist ein Schritt in die richtige Richtung gemacht. Das ist jedoch Zukunftsmusik und hilft den derzeit Pflegenden noch nicht. Deshalb müssen wir auch kurzfristige Lösungen suchen,“ mahnte Imhof.

 

Neben der Beratung sollten pflegende Angehörige von den Vorteilen eines Pflegekurses überzeugt werden. Obwohl es Angebote für kostenlose Pflegekurse gibt, werden diese viel zu selten in Anspruch genommen. Maßgeschneiderte Informationen und praktische Anleitungen können pflegenden Angehörigen helfen, sicherer und entspannter mit den Herausforderungen der Pflegesituation umzugehen.

 

Für pflegende Angehörige wird es zukünftig von immer größerer Bedeutung sein, Pflege und Beruf vereinbaren zu können. Ihnen geht es um eine vorübergehende und nicht dauerhafte Reduzierung der Arbeitszeit. Deshalb sind die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Pflege- und Erwerbstätigkeit besser als bisher kompatibel sind. Pflegeberater / Pflegelotsen in Betrieben können am besten betriebliche Belange mit Bedürfnissen der pflegenden Angehörigen koordinieren.

 

„Zusätzlich ist es notwendig, das Angebot der Tagespflege noch stärker und passgenauer an die Bedürfnisse pflegender Angehöriger, z. B. mit flexibleren Öffnungszeiten, auszubauen“, wandte sich Imhof an die Leistungserbringer. Tagespflegeeinrichtungen ermöglichen es pflegenden Angehörigen, ihrer bisherigen beruflichen Tätigkeit weiter nachzugehen oder sich um eigene Kinder zu kümmern.

 

Neben all diesen tatsächlichen Unterstützungen fühlen sich pflegende Angehörige oft allein. Rat und Trost durch den Kontakt mit Betroffenen in der gleichen Situation werden vermisst. Hier können internetbasierte Netzwerke oder Selbsthilfegruppen helfen.

 

Imhof appellierte an pflegende Angehörige, Entlastungs- und Unterstützungsangebote in Anspruch zu nehmen: „Pflegende Angehörige sind uns wichtig. Wir brauchen sie heute und morgen noch viel mehr.“