Bayerisches Staatsministerium für
Gesundheit und Pflege

Positionspapier Entlassmanagement

Der Übergang von der stationären Behandlung in eine weiterführende ambulante, pflegerische oder rehabilitive Behandlung stellt einen kritischen Punkt in der Versorgung des Patienten dar. Der Runde Tisch Patientenangelegenheiten  unter Leitung des Patienten- und Pflegebeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Hermann Imhof MdL, hat deshalb diese Phase der Entlassung genauer betrachtet und die Bedürfnisse des Patienten hinterfragt.

Ziel ist es, einen reibungslosen Übergang von der stationären in eine weiterführende Behandlung zu gewährleisten und den Patienten auf die Zeit nach der stationären Behandlung vorzubereiten, damit eine lückenlose Versorgung sichergestellt ist. Der Patient soll sich in allen Phasen der Krankenhausbehandlung und insbesondere bei der Entlassung sicher, gut versorgt und vor allem umfassend informiert fühlen. Dabei ist das Entlassmanagement an der Schnittstelle von der stationären zur ambulanten Behandlung oder zu einer Rehabilitationsmaßnahme von besonderer Bedeutung. Neben den bereits per Gesetz geregelten Punkten, wie Sicherstellung der Medikation, Verordnung der häuslichen Krankenpflege, etc.,  kommt nach Meinung des Runden Tisch Patientenangelegenheiten der Information des Patienten eine besondere Bedeutung zu. Dies gilt im besonderen Maße für ältere Patienten.

Eine intensive Beteiligung des Patienten an weiterführenden Behandlungen und Therapieempfehlungen wird für sinnvoll und notwendig erachtet. Ein besseres Verständnis der Erkrankung erleichtert dem Patienten den Umgang mit der Krankheit und ermöglicht es ihm, die notwendigen Therapien besser nachvollziehen zu können. Dies führt letztendlich zu einer gesteigerten Therapietreue und erleichtert es dem Patienten sich auch langfristig gesundheitsförderlich zu verhalten.

Um dem Informationsbedürfnis der Patienten entgegenzukommen, gibt die Mehrheit der Mitglieder des Runden Tischs Patientenangelegenheiten die nachfolgende Empfehlung ab:

Ein Entlassungsgespräch soll rechtzeitig vor der Entlassung des Patienten geführt werden. Das Gespräch führt der Krankenhausarzt. Ergänzend soll, falls notwendig, ein Gespräch mit einer Pflegefachkraft und/oder einer Psychosozialen Fachkraft (bestenfalls Sozialpädagoge) geführt werden, je nach Maßnahmen-/Informationsschwerpunkt bei der Entlassung. Umfang des Gespräches, Inhalt und Dauer sollen sich am Einzelfall orientieren. In dem Gespräch soll der Patient Informationen erhalten

  • über seine Krankheit
  • über seinen Ist-Zustand
  • zu weiteren Behandlungsschritten und Therapiemaßnahmen
  • Anweisungen und Ratschläge zur zukünftigen Lebensführung

und falls erforderlich auch

  • zu anschließend notwendigen Rehabilitationsmaßnahmen,
  • zu Betreuungs- und Beratungseinrichtungen.
  • zu Selbsthilfegruppen, Selbsthilfeorganisationen und Selbsthilfekontaktstellen
  • und/oder Adressen von ambulanten Ansprechpartnern

Sofern der Patient es wünscht, sollen auch Angehörige an dem Gespräch teilnehmen können.
Um die Informationen aus dem Entlassungsgespräch zu vertiefen, soll der Patient bei der Entlassung aus dem Krankenhaus schriftliche Informationen erhalten. Dies gilt im besonderen Maße für ältere Patienten. In den schriftlichen Informationen sollen die Punkte zusammen gefasst sein, die im Entlassungsgespräch besprochen wurden. Die schriftlichen Informationen sollen in allgemeinverständlicher Sprache abgefasst sein. Der Arztbrief an den weiterbehandelnden Arzt soll dadurch nicht ersetzt werden.

Die schriftlichen Informationen können in standardisierter Form gehalten sein und sollen durch individuelle, den einzelnen Patienten betreffende, Informationen ergänzt werden. Soweit bereits standardisierte Patienteninformationen von verlässlichen Stellen vorhanden sind, sollen diese verwendet werden zum Beispiel von Patienteninformation.de.

Hinweis:

Mitglieder des Runden Tischs Patientenangelegenheiten sind: Bayerische Landesärztekammer, Bayerische Apothekerkammer, Bayerische Krankenhausgesellschaft, Bayerische Landeszahnärztekammer, Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten,  Bayerischer Bezirketag,  Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns, Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe, Freie Wohlfahrtspflege – Landesverband Bayern, BKK Landesverband Bayern, Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste,  IKK Classic, Barmer GEK, Knappschaft, Verband der Ersatzkassen in Bayern, Techniker Krankenkasse, Sozialversicherung f. Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, AOK Bayern, Verband der Privaten Krankenversicherung e.V.,  Medizinischer Dienst der Krankenversicherung in Bayern, Bayerische Krebsgesellschaft, LAG Selbsthilfe Bayern, Selbsthilfekoordination Bayern, Gesundheitsladen München, Notgemeinschaft Medizingeschädigter, Sozialverband VdK Bayern e.V., Verband der Privatkrankenanstalten in Bayern e.V., Verbraucherzentrale Bayern, Versicherungskammer Bayern. 

Die Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) hat an den vorausgehenden Gesprächsrunden teilgenommen, ist in der abschließenden Sitzung jedoch ferngeblieben. Begründet wurde dies mit Verweis auf laufende Verhandlungen über die Ausgestaltung der Rahmenvereinbarung nach § 39 Abs. 1 a SGB V auf  Bundesebene, die abgewartet werden sollten.

Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK)  ist der Auffassung, dass dem Informationsbedürfnis von Patientinnen und Patienten in allen Phasen des Krankenhausaufenthaltes von den Angehörigen der verschiedenen Berufsgruppen Rechnung getragen wird. Einer Empfehlung zu einem stärker formalisierten Vorgehen bedarf es nicht; bereits jetzt wird durch umfängliche Dokumentationspflichten Arztzeit gebunden und geht für das Gespräch mit dem Patienten ab.